Skip to Content

Aus der Deisterregion

Die abwechlungsreichen Landschafts- und Kulturräume rings um den Deister eignen sich ideal für eine ausgedehnte Radwanderung. Vielschichtig sind die Zusammenhänge zwischen Geologie, Siedlungs- und Erwerbsstruktur und die Zusammensetzung der Vegetation.
Image

Der Deister ist ein Vorläufer des südlich angrenzenden Wesergebirges, einem Teil des Deutschen Mittelgebirges. Er gehört zum Naturraum des Calenberger Berglandes. Die große geologische Vielfalt entstand durch Sedimentationsprozesse im Jura und in der Kreidezeit.
Während der saxonischen Gebirgsbildungsphase wurden diese Schichten angehoben und gekippt. Die heutige Oberflächenform des Deisters hat sich w?hrend der Elster- und der Saale-Eiszeit herausgebildet.

Gewaltige Gletscher schoben sich von Norden über den Deisterrücken und lagerten große Mengen Gesteinsschutt ab. In der Abschmelzphase wurde der Boden der Calenberger Börde durch die abfließenden Tauwässer mit Sand und Kies überlagert. Viele nahezu parallel verlaufende Bäche auf dem Nordhang stammen aus dieser Zeit. Starke Nordwinde sorgten in Folge für die Ablagerung von Löß.

Diese nährstoffreichen Böden werden bis heute bevorzugt landwirtschaftlich genutzt und waren Keimzelle für die ersten Siedlungen. Aufgrund der großzügigen Flächenverfügbarkeit ordneten sich die Höfe unregelmäßig an und bildeten sogenannte Haufendörfer. Eine typiscche Endung von Ortsnamen aus dieser Zeit ist -hausen (zum Beispiel Barsinghausen, Winninghausen, Wichtringhausen). In einigen dieser früheren Ortsgründungen wurden später Rittergüter angelegt.

Einen zweiten Grundstein der Siedlungsentwicklung in diesem Bereich stellten die Bodenschätze dar. Neben dem Abbau von Sandstein wurde auch Kohle bis in die 50er Jahre hinein in den Schächten von Barsinghausen und Egestorf abgebaut.

Image

Zusätzlich spielte die Forstwirtschaft eine wichtige Rolle für das wirtschaftliche und flächenmäßige Wachstum der Orte. Weitere Erwerbsquellen boten die Glasindustrie und die Tonwarenfabrikation.
Im Süden verläuft der "Deisterkreisel" streckenweise durch den kleinen Deister, der südlich von Springe beginnt und im Südwesten in den Höhenzug des Osterwaldes übergeht.

Geologisch entspricht der kleine Deister dem gegenüberliegenden Teil des Nienstädter Deisters. Hier wechseln sich nahezu alle Schichten des Jura regelmäßig ab und bilden langgestreckte, ann?herd parallel verlaufende Kämme und schmale Rücken. Dazwischen treten weiche, mürbe Kalke, Mergel und Tone als sanft geneigte, quellreiche Hänge, Mulden und Senken auf. Dieser Wechsel spiegelt sich deutlich sichtbar in der Vegetation wieder. Auf den Kalken stocken Perlgras-Buchenwälder, auf den frischen Standorten der schattigen Hänge findet man Farn-Buchenwälder und in den Mulden und Senken sowie auf den quelligen Hangf??en kommen feuchte Eichen-Hainbuchenwälder vor.
 
Der südwestlich angrenzende Osterwald besteht wie der Deister in Barsinghausen aus Wealden-Schichten der unteren Kreide, zusätzlich bilden auch Schiefertone einen gro?en Anteil am Gesteinsaufbau.

Schiefertone und Sandstein bewirken, dass der Boden nur gering basisch ist. Deutlich sichtbar wird Sachverhalt durch die Vegetation. Auf den basenarmen, meist podsolierten Böden des Osterwaldes sind heute überwiegend die Bis ins 19. Jahrhundert trieb man das Vieh zur Mast in den Wald und nutzte ihn als Weidefläche, so dass auf den Böden kein natürlicher Baumaufwuchs mehr möglich war. Die Schiefertone in diesem Bereich sind durch Ihren Quellen- und Gew?sserreichtum Grund für das Vorkommen von feuchten Eichen-Hainbuchenwäldern und Bach-Erlen-Eschenwäldern.


Image

Im Südwesten verläuft der Radweg entlang des Nienstädter Deisters, der ein anderes Landschaftsbild aufweist. Hier treten die unter dem Sandstein lagernden Kalke und Mergel des oberen Jura an die Oberfläche und bilden ein vielgestaltiges Relief. Aus den harten Kalken entstanden Stufen, Kuppen und Steilhänge, die weichen Mergel und die eingesprengten Tonlinsen hingegen bildeten Mulden und Senken aus. Diese unterschiedliche Untergrundbeschaffenheit ist auch Ursache für die Vielfalt der Böden in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, deutlich erkennbar an dem abrupten Wechsel der natürlichen Waldgesellschaften.

Auf den Kalken stocken, je nach Hangneigung, Exposition und Gründigkeit der Böden verschiedene Ausbildungen der Perlgras-Buchenmischwälder und auf den feuchten bis nassen tonigen Standorten feuchte bis nasse Eichen-Hainbuchenwälder.

Fichtenforste kommen hier nur selten vor. Auf den schwächer geneigten Hängen und in Taleinschnitten wurden die bewaldeteten Hänge gerodet und als Acker- und Grünlandflächen genutzt. Viele Endungen von Ortsnamen zeugen noch heute von diesen ersten Rodungssiedlungen (Alvesrode, Mittelrode, Rodenberg).

Da die in Kalk und Sandstein versickernden Oberflächengewässer auf den tonigen Schichten zutage treten, ist der Deister im Südwesten sehr quellen- und gewässerreich. Die zahlreich vorhandenen Bäche, die eine "Zertalung" des Gebietes hervorriefen, wurden häufig für den Mühlenbetrieb genutzt. Auch diese frühe Wirtschaftsform ist noch an vielen Namen von Orten und Bächen nachzuvollziehen (Alvesroder Mühle, Wennigser Mühlsbach, Hachmühlen).